Klinik für Pferde
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EHV Aborte

EHV-bedingte Aborte (Stand: Januar 2020)


Seit dem Jahreswechsel werden im Bundesgebiet vermehrt durch das Equide Herpesvirus Typ 1 (EHV-1) bedingte Aborte gemeldet. EHV-1 gilt als eine der häufigsten infektiösen Abortursachen bei der Stute, und kommt meist nur im letzten Drittel der Trächtigkeit vor (ungefähr ab dem 7. Trächtigkeitsmonat). Wir gehen davon aus, dass die eigentliche Infektion mit dem Virus bereits 3 – 6 Wochen vor dem Abort stattgefunden über die Atemwege stattgefunden hat. Der Abort kommt meist unerwartet und ohne klinische Symptomatik. Eine Euteranbildung kann dem erfahrenen Besitzer oder Betreuer einige Stunden bis Tage vor dem Abort auffallen. Meist handelt es sich um eine Totgeburt, bei der das Fohlen in geschlossenen Eihäuten geboren wird. Die Plazenta (Nachgeburt) geht in der Regel spontan und problemlos ab. Dennoch sollte die Stute auf ein eventuelle bestehendes Nachgeburtsverhalten hin untersucht werden.

Das abortierte Fohlen, die Eihäute sowie die Nachgeburt und der vaginale Ausfluss sind hoch-infektiös für andere Pferde. Deshalb sollten Abort und Nachgeburt schnell, komplett und spurlos‘ entsorgt werden. Am besten zum nächstgelegenen tierärztlichen Untersuchungsamt, wo auch eine Diagnosestellung eingeleitet werden kann und sollte. Wichtig ist dabei, dass Abort und Nachgeburt in dichte Plastiksäcke verpackt werden, und eine doppelte Verpackung sollte hier berücksichtigt werden. Die Stute scheidet in der Regel bis zu 3 Tage (72 Stunden) nach dem Abort infektiöses Virus mit dem Scheidenausfluss aus. Die PCR-Untersuchung eines Scheidenabstrichs gibt Sicherheit, dass die Stute nicht mehr ausscheidet.

Tritt der Abort während des Weidegangs der Herde auf, kann sich jedes weitere Pferd am Abort infizieren. Diese Pferde laufen Gefahr, dass zunächst eine Infektion der oberen Atemwege auftritt, aber auch die neurologische Form von EHV-1 (=EHM- siehe auf dieser WebSite) kann sich sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Tieren ausbilden. Hiermit ist 14 – 20 Tage nach dem Abort zu rechnen. Weitere tragende Stuten, die sich an dem ersten Abort infiziert haben, können ebenfalls verfohlen.

Kommt es allerdings innerhalb der folgenden 10 – 14 Tage zu einem weiteren Abort, ist es wahrscheinlich, dass beide Stuten mit Abort sich an einer gemeinsamen Quelle (und zum gleichen Zeitpunkt) angesteckt haben. Aborte, die 3 - 6 Wochen nach dem Erstabort im Bestand entstehen, sind Folge einer Infektion an diesem Erstabort. Abortiert die Stute in ihrer Box ist das Risiko für eine Ausbreitung etwas geringer, aber nicht unwahrscheinlich. Abortiert eine Stute in der Herde, muss sie umgehend isoliert werden (d.h. von der Herde abgesondert werden).

Es sollten unverzüglich drei Bereiche geschaffen werden: der rote Bereich, reserviert für ‚Ausscheider‘; der gelbe Bereich, reserviert für Tiere mit möglichem Kontakt zum Ausscheider und der grüne Bereich, für Tiere ohne möglichen Kontakt. In den Bereichen „Gelb“ und „Grün“ sollte bei allen Tieren täglich die Temperatur gemessen werden. Ein Tier verlässt den Bereich „Rot“ erst wieder, wenn der betreffende Erreger in relevanten Proben nicht mehr nachgewiesen wird – dann kann das betreffende Pferd von „Rot“ in „Gelb“ verbracht werden. Achten Sie auf alle Fälle darauf, dass Pferde im grünen Bereich nicht in Kontakt mit Pferden aus „Gelb“ oder „Rot“ kommen.

Konkret:

- zunächst die Stute mit dem Erst-Abort isolieren (Bereich „Rot“)
- Abort und Nachgeburt in dichte Plastiksäcke einpacken (Bitte doppelt verpacken!)
- Abortstelle auf der Weide mit E-Zaun abstecken und kennzeichnen, den Bereich einmalig mit seifiger Lösung einsprühen (darf auch ein Waschmittel für Textilien sein), und wenn möglich, diese Weide (oder Weideanteil) für 5 Tage nicht benutzen (wurde eine seifige Lösung nicht eingesetzt,

dann 14 Tage Wartezeit (Wetter-abhängig)). Es gilt immer: je länger man wartet, umso sicherer (da weniger Virus) ist die Umgebung. Kommt es in der Box zum Abort, so wird auch hier die Stute in einem Roten Bereich isoliert. - (Desinfektions-) Fußmatte anbringen und Boxenfläche und evt. die Zwischenwände zu Nachbarboxen mit seifiger Lösung begießen oder besprühen und gut reinigen. Danach gut trocknen lassen und eine Desinfektion durchführen. - Einstreu (immer auf kürzestem Weg) entsorgen und, wenn möglich, beide Nachbarboxen leeren.

Bei allen zurückgebliebenen Pferden sollte mindestens 14 Tage lang die Temperatur gemessen werden, bei tragenden Stuten sollte zusätzlich eine regelmäßige Inspektion des Euters erfolgen.

Diagnostik: Generelle Empfehlungen zur Diagnostik entnehmen Sie bitte dem Dokument EHV-1 und EHM auf unserer Homepage.

Einige Besonderheiten:
i) Der Vaginalausfluss kann zur Diagnosestellung beitragen. Er ist mittels einer PCR mitunter bis 72 Stunden nach dem Abort positiv für EHV-1 (Erregernachweis positiv).
ii) Über den Complement Fixation Assay sind neu-gebildete Antikörper nachweisbar (diese Tests werden im Animal Health Trust, Newmarket, UK durchgeführt).
iii) Bei Fieberfällen sollte sowohl ein Nasentupfer wie auch EDTA Vollblut für PCR Diagnostik eingeleitet werden.

Fragen zu weiteren Punkten wie ‚was tun bei Fieber‘ oder Therapie entnehmen Sie bitte der Zusammenfassung ‚EHV-1 und EHM‘ auf unserer Website. Der wichtigste Ansatz sollte immer die Eindämmung einer Ausbreitung des Virus sein!